Hinter den Kulissen: Schauspiel Hannover

img_6068Die Bretter, die die Welt bedeuten: hinter den Kulissen im Schauspielhaus

Wir biegen dreimal rechts und links und wieder rechts ab, Treppe hoch und runter, dicke Türen, keine Fenster und plötzlich stehen wir mitten auf der Bühne. Erstmal bin ich beeindruckt von der Technik und der Größe. Außerdem: Den Blick von der Bühne in den Zuschauerraum hat man auch nicht alle Tage. Wir drehen eine Runde auf der Drehbühne, die am Abend zentral das Geschehen bestimmen wird und ich bin froh, dass wir uns nicht zu lang im Kreis drehen, denn mir wird schnell schwindelig.

Es ist das erste Blogger Event des Schauspiels und uns wird einiges geboten: Nach der Technik-Vorführung geht es ins Gruselkabinett aka Maske. Zwischen Köpfen, Echthaar-Bärten und schnell modellierten Narben (mit Blut!) erfahren wir, wie den Alltag der Maskenbildner aussieht und dass sie manchmal auch auf statt nur hinter der Bühne agieren. Wir werfen noch einen Blick auf die kleinere Studiobühne, die Pressefrau Ulrike beantwortet geduldig unsere Fragen zu Probenprozessen, Ensemble und berühmten Gastspielern bevor wir ins das schönste Treppenhaus in ganz Hannover gehen: Auch in der Cumberlandschen Galerie spielt man Theater, ganz anders, kleiner, intimer. Noch ein Snack in der Theaterkantine, die anderen BloggerInnen kennenlernen und dann ist es schon soweit – Vorhang auf!

Lehman Brothers. Aufstieg und Fall einer Dynastie von Stefano Massini

Am Abend sehen wir die Vorstellung von Lehman Brothers, genau, die Geschichte der Brüder, die einst aus Deutschland flohen, um den amerikanischen Traum zu leben. Die Geschichte von drei Generationen Lehman-Männern, die aus einem kleinen Geschäft in Alabama eine der einflussreichsten Investmentbanken der Welt aufbauten. Eine Inszenierung, die alles zeigt, was Theater kann: Die ständig rotierende Drehbühne, auf der mir vorhin noch ein bisschen schlecht wurde, entwickelt einen Sog, zieht mich in ihren Bann. Die Geschichte wird zunächst über eine Live Videoprojektion erzählt, sehr filmisch, scheinbar dokumentarisch. Am Rand Sprecher, die kommentierend die Handlung weitertreiben, eine Tafel mit dem Familien-Stammbaum und immer wieder die Kameras. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Pause. Durchatmen.

Schick Kohle, Dad!

Im zweiten Teil verzichtet die Regie zunehmend auf eine eindeutige Rollenzuweisung. Wer ist wer? Alles verschwimmt, wird unklarer, manchmal verwirrend – undurchschaubar wie das Lehman’sche Geschäftsmodell. Weniger Videoprojektion, mehr chorische Elemente. Höher, schneller, weiter bis zum Fall: Nach knapp dei Stunden ist es vorbei – ein fulminanter Abend. Ich gehe mit dem Gefühl, ein bisschen besser zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass sich aus einem einfachen Tuchwarenladen eine Investment Bank entwickelt hat, die unseren  Blick auf die Finanzwelt für immer verändert hat.

Merke: Theatermenschen sind abergläubisch. Sie gehen auf der Bühne nicht unter Leitern, wünschen sich nicht viel Glück, sondern Toi Toi Toi und sagen nicht „Macbeth“. Danke an Ulrike und das Schauspiel-Team für den tollen Tag! Unter #stageblogger könnt ihr bei Instagram unsere Bilder sehen und selbst einen Blick hinter die Kulissen werfen.

3 Antworten auf “Hinter den Kulissen: Schauspiel Hannover”

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